WWWW vom 19.10.2007: Vitamin A in Entwicklungsländern

Heute mit einem Gastbeitrag, geliehen von der BASF. Das mache ich weil ich den Beitrag interessant fand. Weder hat mich die BASF draum gebeten noch bekomme ich Geld oder irgendwas anderes dafür.
Nach Angaben von UNICEF sind 40 bis 60 Prozent der Kinder und Jugendlichen in Entwicklungsländern von Vitamin A Mangel betroffen. Er ist damit die am weitesten verbreitete Form von Mangelernährung. Mikroverkapseltes Vitamin A macht es möglich, Grundnahrungsmittel mit Vitamin A anzureichern und so das Problem zu bekämpfen.

So, und jetzt die anderen Themen:
Fische haben ein Gefühl für Rhythmus: Sie können sich einen vorgegebenen Takt über relativ lange Zeitintervalle von über 20 Sekunden merken und durch Schlagen mit dem Schwanz wiedergeben. Die Nervenprozesse für diesen Taktgeber haben Forscher um Mu-ming Poo von der Universität von Kalifornien in Berkeley bei Versuchen an Larven von Zebrafischen entschlüsselt.
Mu-ming Poo (Universität von Kalifornien, Berkeley) et al.: Nature, Online-Vorabveröffentlichung, DOI:10.1038/nature07351

Seit der Evolution der Säugetiere sind kaum neue potenzielle Krankheitsgene hinzugekommen
Tomislav Domazet-Loso und Diethard Tautz vom Max-Planck-Institut für Evolutionsbiologie in Plön haben den Zeitpunkt der Entstehung von zahlreichen Genen, die auch Krankheiten auslösen können, systematisch analysiert.
http://goto.mpg.de/mpg/pri/20081015/

Zunächst sollten Mikrobläschen als Kontrastmittel die Ultraschall-Bildgebung bei Gefäßen schärfen. Doch die Chancen stehen gut, dass sich die gasgefüllten Bläschen zukünftig auch für den lokalen Transport von Medikamenten nutzen lassen, Tumore finden und markieren sowie selbst Zellwände vorübergehend öffnen können.
http://www.rub.de/rubin


Transkript:
eute wieder Wissenschaftsnachrichten. Die Erste: Rhythmus im Blut. Zebrafischlarven zappeln mit Lichtimpulsen im Takt und können diesen auch halten. Das haben Forscher von der Universität von Kalifornien in Berkley herausgefunden. Sie beleuchteten diese Kaulquappen ähnlichen Larven von Zebrafischen nämlich mit Lichtimpulsen und verglichen, wie Gehirnprozesse mit den Schwanzschlägen zusammen hingen, mit denen die Tiere nämlich daraufhin begannen. Auch nach dem Abschalten der Lichtreize bewegten die Larven nämlich ihre Schwänze über viele Sekunden im richtigen Takt.

Die Forscher hatten mit einem Geliermittel die kleinen Zebrafischlarven auf einer Oberfläche fixiert, den Schwanz dabei aber frei beweglich gelassen. Dann haben sie rund zwanzig Mal die Augenanlagen des Fisches beleuchtet und die Abstände zwischen diesen Lichtimpulsen, die variierten ein bisschen. Mit einem Mikroskop konnten dann die Wissenschaftler zum einen die Reaktion und Aktivität von Nervenzellen beobachten, die für die visuelle Sinnesverarbeitung zuständig sind, aber sie konnten auch den Larvenschwanz beobachten und wie der eben gezuckt hat. Und da hat sich dann gezeigt, dass der natürlich mit diesen Lichtimpulsen zuckte und auch wenn die Lichtimpulse aufgehört haben, hat er noch weiter in diesem Takt gezuckt. Interessant.

BASF BEITRAG

Nächstes Thema: Seit der Evolution der Säugetiere sind eigentlich kaum noch neue Krankheitsgene hinzugekommen. Das hat eine Forschungsarbeit ergeben, die am Max-Planck-Institut für Evolutionsbiologie in Plön erarbeitet wurde. Dort haben Forscher nämlich den Zeitpunkt der Entstehung von zahlreichen Genen, die auch Krankheiten auslösen können, systematisch analysiert. Sie konnten belegen, dass Gene in ihrer überwältigenden Mehrheit bereits seit dem Ursprung der ersten Zellen existieren. Damit ist die Suche nach weiteren Genen, vor allem solchen, die eben Krankheiten verursachen, deutlich erleichtert. Wir wissen nämlich, die sind alle schon ziemlich alt und neue Sachen überraschen gar nicht mehr so sehr.

Eine kleine Änderung in einer Buchstabenfolge bei Genen, zum Beispiel ein A für ein C, reicht eigentlich schon, um ein bislang einwandfrei funktionierendes Gen zu einem Krankheitsauslöser werden zu lassen. Es gibt mittlerweile eine Datenbank, die mehr als 4.000 Chromosomenregionen ausweist, die mit genetischen Erkrankungen in Verbindung gebracht werden. Viele dieser Gene finden sich auch in anderen Organismen, wie eben der Fliege Drosophila oder einem bestimmten Fadenwurm, die man deshalb nimmt, weil sie einfacher zu untersuchen sind, aber eben auch genetisch durchaus vergleichbar sind.
Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut haben nun versucht den Zeitpunkt der evolutionären Entstehung der Gene und auch der krankmachenden Gene herauszufinden. Sie haben mit einem bestimmten Verfahren den Ursprung jedes heute existierenden Gens ermittelt. Sie konnten Daten aus komplett entschlüsselten Genomen von Vergleichsorganismen nehmen, also Lebewesen mit Zellkern und Zellmembran, die den gesamten Stammbaum auch repräsentieren. Mit Hilfe einer Sequenz-Ähnlichkeitssuche bestimmt man dann den letzten gemeinsamen Vorfahren, in dessen Genom das untersuchte Gen noch entdeckt werden kann. So wird dann das erste Auftreten des Gens, also sein minimales Alter, genau ermittelt.
Überraschenderweise hat man eben feststellen können, dass seit der Evolution der Säugetiere kaum neue potenzielle Krankheitsgene hinzugekommen sind. Genetisch bedingte Krankheiten betreffen offenbar vor allem evolutionär alte zelluläre Prozesse. Die Forscher sagen, wir können genetisch bedingte Krankheiten somit letztlich nie vollständig besiegen, da sie Prozesse betreffen, die in der Evolution unveränderbar festgelegt wurden.
Rätselhaft bleibt, warum gerade die entwicklungsgeschichtlich jungen Gene, wie zum Beispiel jene, die für die Entwicklung der Säugetiere nötig waren, nur selten Krankheiten auslösen, wenn sie Mutationen tragen.

Ein Thema, was ich schon mal hier hatte, es geht um Mikrobläschen. Die sollen als Kontrastmittel für die Ultraschallbildgebung bei Gefäßen jetzt eingesetzt werden und diese Bildgebung vor allem schärfen. Die Chancen stehen gut, dass sich diese gasgefüllten Bläschen zukünftig auch für ganz andere Sachen nutzen lassen, nämlich für den lokalen Transport von Medikamenten. Tumore können sie dadurch vielleicht finden und markieren und sie können sogar Zellwände vorübergehend öffnen.

Diese gasgefüllten Mikrobläschen unterscheiden sich in ihren mechanischen Eigenschaften von Blut und biologischem Gewebe. Unter bestimmten Bedingungen schwingen die Bläschen im Gegensatz zum umgebenden Gewebe unsymmetrisch. Das ist ein charakteristischer Klang und der macht sie auffindbar. Mit bestimmten Verfahren kann man sie dann auf Ultraschallgeräten bereits feststellen und darstellen, doch die Schallausbreitung kann auch in biologischen Geweben vom bestimmten Verhalten abweichen und das Verfahren beeinträchtigen. Mit Methoden der nichtlinearen Signalbearbeitung erzielen Bochumer Ingenieure jetzt einen deutlich höheren Kontrast und versuchen derzeit durch eine Modellierung dieser Nichtlinearität von Geweben und Mikrobläschen die Detektions-Empfindlichkeit noch viel weiter zu verbessern.

Aber Mikrobläschen können auch helfen, krankheitsspezifische Moleküle durch bildgebende Verfahren nachzuweisen. Wird ein an solche Moleküle bindender Ligand, also ein Gegenmolekül, an die Mikrobläschen gekoppelt und in die Blutbahn gebracht, dann reichert sich das Kontrastmittel vor allem im Tumor an und kann über bildgebende Verfahren nachgewiesen werden.

Bei der Wechselwirkung von Mikrobläschen mit Zellen zeigte sich, dass im Ultraschallfeld oszillierende Mikrobläschen die Zellmembran ihrer Nachbarzellen vorübergehend öffnen können. Diese sogenannte Sonoporation wird derzeit erforscht. Bisherige Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Oszillation der Mikrobläschen die benachbarte Zellwand dehnt, bis diese nachgibt. Für ein bis drei Minuten entsteht eine Pore, die von der Zelle nachher selbst wieder repariert werden kann. Ein Zeitraum in dem die Substanzen, die man vielleicht gerne verabreichen möchte, in die Zelle gebracht werden können, die eine Zellmembran sonst normalerweise nicht passieren lassen, also Medikamente oder nichtvirale Vektoren im Rahmen der Gentherapie.

Das war’s schon für heute. Mal ein bisschen was anderes mit diesem BASF-Beitrag. Ich bedanke mich wie immer fürs Zuhören. Freue mich über Kommentare. Freue mich über viele, viele Zuschriften. Ich bekomme ganz tolle E-Mails zurzeit. Bin sehr begeistert unter anderem von einem Planetologen, wow. Also fand ich toll. Planetologen hören vielleicht diese Sendung. Gibt mir Motivation weiter zu machen.

Vielen Dank fürs Zuhören. Das war’s. Eine schöne Woche.

Transkription: Vera Ihrig für die Sprachenlernseite www.LingQ.com

5 thoughts on “WWWW vom 19.10.2007: Vitamin A in Entwicklungsländern”

  1. Hallo Thomas,

    deiner Sendung vom 19.10. stehe ich recht kritisch gegenüber.

    Der BASF-Beitrag war doch extrem kommerziell ausgelegt. PR wohin das Auge reicht.
    Wieso sonst ist so oft der Name BASF gefallen?
    Gleichzeitig muss man bedenken, dass es ggf. auch andre Produkte auf dem Markt gibt, die diesen Zweck erfüllen und was ist mit den Meinungen Externer zu dem Thema?

    Alles in allem ist es wohl immer schwierig, Material von großen (aber auch kleinen) Firmen zu verarbeiten, welche in erster Linie auf Profit aus sind.

    Viele Grüße
    Christian

  2. Den BASF-Beitrag sehe ich auch sehr kritisch. Man hätte das Thema Vitamin A-Mangel in Entwicklungsländern und deren Folgen auch ganz einfach ohne die Nennung der Firma behandeln können, auch die Probleme beim Transport, Lagerung, sowie die Lösung dieser Probleme durch Mikroverkapselung.

    Nennung von Organisationen wie UNICEF, oder der Christoffel-Blindenmission, die mit Hilfe von Spendengeldern versuchen mehr Vitamin-A-Kapseln in Entwicklungsländern zu verteilen, wären hier – meiner Meinung nach – angebrachter gewesen, als einfach eine solche Dauerwerbesendung zu verwenden.

    Generell kann man natürlich die Themen solcher Werbungssendungen als Aufhänger für selbst recherchierte objektive Beiträge nehmen. Aber einfach so eine Werbung hernehmen und ohne zu hinterfragen und gegenzuschecken zu verwenden, finde ich nicht sehr “wissenschaftlich”.

  3. Ok, danke fuer das Feedback. Ehrlich gesagt fand ich es besser den Beitrag so zu nehmen wie er ist, weil dann gleich klar ist von wem er kommt. Was den Profit angeht: Dagegen hab ich nichts, ich sehe die Marktwirtschaft noch immer als das bessere Modell an (und ich leben in einem sozialistischen Land, dessen Regierung das wohl auch so sieht.)
    Grundsätzlich würde mich aber über inhaltliche Kritik freuen. Dass der Name BASF fällt ist ok, finde ich, ist ja ein Beitrag von denen, und die Nennung anderer podukte macht es jetzt nicht wirklich besser.
    Was das Gegenchecken angeht: Das habe ich soweit ich das auch kann. Es geht um mikroverkapseltes Vitamn A.
    Gibt es Kritik an der Verkapselung und der Food Fortification? Macht die BASF Profit zu Lasten der Dritten Welt? Sollte Vitamin A natülrich aufgenommen werden?
    Ich konnte in dem Beitrag keine Fehler entdecken, auch wenn der Name BASF viel zu oft vorkommt, das ist aber deren Problem. Ich denke die Hörer des Podcasts können das sehr gut einschätzen.

    Was die Hilfsorganisationen angeht: Glaubt nicht dass die alles so selbstlos sind. Iche habe mit eigenen Augen gesehen, wie gut es sich Ausländer in Kambodscha gehen lassen die für Hilfsorganisationen arbeiten. Und letztlich können die auch nur verteilen, was Firmen wie die BASF produzieren.

    Aber die Nachricht ist angekommen, ich werde etwas vorsichtiger mit solchen Beiträgen umgehen.

  4. Gut ich bin etwas spät
    Aber ich schließe mich den 2 Vorredner einfach mal an.
    Derartige Beiträge gehören hier nicht rein.

  5. Hallo Thomas
    ich fand das mit dem Beitrag von BASF in Ordnung. Ich denke, jeder deiner Hörer ist intelligent genug, um zu merken, was daran PR und was Wissenschaft ist. Mir war der Beitrag allerdings etwas zu lang, zu viele Gespräche usw die mich nicht interessiert hätten. “Deine” Nachrichten sind da etwas straffer und mit mehr Inhalt.
    Ich finde es gut, wenn du solche Podcasts vielleicht als Quellen angibst, oder verlinkst oder so. Aber den ganzen Beitrag einfügen finde ich nicht so gut.
    Lieben Gruß, ganz tolle Sendung!
    Tobi

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *

*