WWWW vom 19.12.2011: Wie Wahrnehmung und Lokalisierung zusammenhängen

Wie Bilder und Geräusche zu einer Wahrnehmung integriert werden

Foyer beim DLD
Um mitzubekommen, was in der Umgebung passiert, muss das Gehirn die Informationen mehrerer Sinne zusammenführen. Doch woher weiß es, welche Signale integriert werden müssen? Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für biologische Kybernetik, des Bernstein Zentrums Tübingen, der Universitäten Oxford und Bielefeld haben diese Prozesse genauer untersucht: Sie haben festgestellt, dass das menschliche Gehirn die Korrelation zwischen den zeitlichen Veränderungen der Signale nutzt, um herauszufiltern, welche Signale zusammengehören und welche unabhängig voneinander verarbeitet werden müssen.

Schmerz anders begegnen

Wissenschaftler aus Gießen, den USA und den Niederlanden erforschten die neuronalen Prozesse im Gehirn, die den Leidensdruck von Schmerzen durch Achtsamkeit mindern. Mit innerer Haltung gegen den Schmerz: Achtsamkeitsmeditation wird zur Behandlung chronischer Schmerzerkrankungen schon seit Jahren erfolgreich eingesetzt. Wie Achtsamkeitsmeditation das subjektive Leiden unter Schmerz auf neuronaler Ebene vermindert, hat ein Team aus Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern des Bender Institute of Neuroimaging (BION) der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU), des Massachusetts General Hospital, Harvard Medical School in Boston, USA, und der Universität Maastricht, Niederlande, nun herausgefunden. Die Forscherinnen und Forscher konnten zeigen, dass Probandinnen und Probanden im Zustand der Achtsamkeit den Schmerz sehr wohl spüren, aber nicht so stark darunter leiden, weil die für die Bewertung des Schmerzreizes verantwortlichen Hirnareale weniger stark aktiviert werden.
Publikation:
Gard, T., Hölzel, B.K., Sack, A.T., Hempel, H., Lazar, S.W., Vaitl, D., & Ott, U.: Pain attenuation through mindfulness is associated with decreased cognitive control and increased sensory processing in the brain. Cerebral Cortex, online veröffentlicht am 15. Dezember 2011,
doi: 10.1093/cercor/bhr352

Schwellenwert bei Waldbränden fast erreicht

Großen Waldregionen Kanadas steht offenbar ein sprunghafter Wandel bevor. Anhand von Modellen konnten Wissenschaftler jetzt zeigen, dass es bei Waldbränden ebenso wie bei Epidemien Schwellenwerte gibt. Große Gebiete Kanadas bewegen sich offenbar auf diesen Schwellenwert zu und könnten diesen künftig durch den Klimawandel überschreiten. Die Folge sei, dass sowohl die jährlich abgebrannten Flächen als auch die durchschnittliche Größe der Feuer steigen würde, schreiben die Forscher des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ) und der University of Michigan in der Dezember-Ausgabe des Fachblattes The American Naturalist. Die Strategien zur Bekämpfung von Waldbränden in weiten Teilen Kanadas sollten daher überdacht werden.
Publikation:
Richard D. Zinck, Mercedes Pascual and Volker Grimm (2011): Understanding Shifts in Wildfire Regimes as Emergent Threshold Phenomena. The American Naturalist. Vol. 178, No. 6, December 2011
http://www.jstor.org/pss/10.1086/662675

Zwei Stoffe sorgen für Ordning im Körper

Milz links, Blindarm rechts: damit sich der Körper sortiert, müssen zwei Substanzen eine komplexe Wirkungskette auslösen, so Ergebnisse der Universität Hohenheim
Alles eine Frage der Kommunikation: Am Beispiel von Fröschen identifizierten Zoologen der Universität Hohenheim eine bislang unbekannte Aufgabe von zwei Botenstoffen für die Zellkommunikation im Embryo. Nur wenn beide zusammenarbeiten, rutschen Herz, Leber und Milz auf den rechten Fleck. Auch im erwachsenen Körper sind beide wichtig: Wird ihr Zusammenspiel gestört, könnte dies ein Auslöser für Krebs sein. Die internationale Fachzeitschrift Current Biology veröffentlicht die Ergebnisse unter www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0960982211013091

WHO muss HIV-Resistenzzahlen neu berechnen

Sprechen die gängigen Medikamente bei HIV-Infizierten in Afrika sehr viel häufiger nicht mehr an als bislang angenommen? Dieses Ergebnis legt zumindest eine aktuelle Studie von Wissenschaftlern aus Würzburg, Tansania und Südafrika nahe. Die Auswirkungen dieses Befunds wären gewaltig.
HIV Drug Resistance (HIVDR) in Antiretroviral Therapy-Naïve Patients in Tanzania Not Eligible for WHO Threshold HIVDR Survey Is Dramatically High. Christa Kasang, Samuel Kalluvya, Charles Majinge, August Stich, Jochen Bodem, Gilbert Kongola, Graeme B. Jacobs, Mathias Mlewa, Miriam Mildner, Irina Hensel, Anne Horn, Wolfgang Preiser, Gert van Zyl, Hartwig Klinker, Eleni Koutsilieri, Axel Rethwilm, Carsten Scheller, Benedikt Weissbrich. Plos One doi/10.1371/journal.pone.0023091

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