Category Archives: Naturwissenschaft

WWWW vom 3.9.2012: Drosophila und Ameisen

Antibiotika: Von Ameisen lernen

Red Ants

Viele krankheitserregende Bakterien werden zunehmend resistent gegen Antibiotika. Neue Wirkstoffe sind dringend nötig, und die Suche danach erstreckt sich auch auf die Welt der Ameisen. Dort haben Würzburger Biologen jetzt etwas Neues entdeckt.
Ratzka C, Förster F, Liang C, Kupper M, Dandekar T, et al. (2012): Molecular Characterization of Antimicrobial Peptide Genes of the Carpenter Ant Camponotus floridanus. PLoS ONE 7(8): e43036, 9 August 2012, doi:10.1371/journal.pone.0043036

Im Internet ist die Publikation zu finden unter
http://www.plosone.org/article/info%3Adoi%2F10.1371%2Fjournal.pone.0043036

Gen ist für manische Stimmung verantwortlich

Himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt. Bei Menschen mit einer bipolaren Störung wechseln sich depressive und manische Episoden ab. Wissenschaftler der Universität Bonn und des Zentralinstituts für Seelische Gesundheit in Mannheim haben nun anhand von Patientendaten und Tiermodellen entschlüsselt, wie das Gen NCAN zu manischen Symptomen bei der bipolaren Störung führt.

Publikation: Studies in humans and mice implicate neurocan in the etiology of mania, The American Journal of Psychiatry, DOI: 10.1176/appi.ajp.2012.11101585

Eichenwickler-Weibchen sind smarter als die Eiche

Immer wieder kann man im Sommer Eichen beobachten, die von massenhaft auftretenden Larven des Eichenwicklers, eines Kleinschmetterlings, kahlgefressen wurden. Dabei sind die Wirtsbäume keineswegs nur die passiv Duldenden und die blattfressenden Larven die Aktiven. Pflanzen und Fressfeinde liefern sich einen permanenten Kampf zwischen Abwehr, dem Durchbrechen der Abwehr und dem Entwickeln neuer Abwehrmechanismen. Forstwissenschaftler des Thünen-Instituts in Großhansdorf bei Hamburg konnten jetzt in Kooperation mit dem Helmholtz Zentrum München ein neues Detail in diesem komplizierten Gefüge aufklären.
Nähere Informationen in:
Ghirardo A, Heller W , Fladung M, Schnitzler JP, Schroeder H. (2012): Function of defensive volatiles in pedunculate oak (Quercus robur) is tricked by the moth Tortrix viridana. Plant, Cell and Environment, DOI: 10.1111/j.1365-3040.2012.02545.x

Netzwerke entwickeln sich sprunghaft, und sind dann kaum kontrollierbar

Dass sich ein Netzwerk – sei es ein Freundeskreis, ein Computernetzwerk oder die Nervenzellen des Gehirns – durch das Hinzufügen von einigen wenigen Verbindungen dramatisch vergrößern kann, war wohlbekannt. Unklar blieb der Zusammenhang zwischen langsamen und abrupten Wachstumsschüben. Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Dynamik und Selbstorganisation (MPIDS) und der Universität Göttingen erklären diesen Zusammenhang mit der Entdeckung einer Teufelstreppe, die sowohl sprunghaftes, als auch allmähliches Wachstum vereinigt. Die Ergebnisse dieser theoretischen Studie wurden jetzt in der Fachzeitschrift Physical Review X veröffentlicht.

Fliegenohr hat Riech- und Sehzellen

Sinneszellen für Sehen, Riechen und Hören benutzen unterschiedliche Proteine um sensorische Signale zu entschlüsseln: Photorezeptoren, Chemorezeptoren und Hörsinneszellen. Wissenschaftler der Universität Göttingen haben gemeinsam mit Forschern des Max-Planck-Instituts für Zellbiologie und Genetik in Dresden entdeckt, dass diese verschiedenen Proteine im Ohr der Fruchtfliege Drosophila vorkommen und dass die Fliege Rhodopsine und olfaktorische Rezeptorproteine zur Schallverarbeitung benutzt.
Originalveröffentlichung: Pingkalai Senthilan et al. Drosophila auditory organ genes and genetic hearing defects. Cell (2012). http://dx.doi.org/10.1016/j.cell.2012.06.034

WWWW vom 26.8.2012: Helikopter mit 18 Rotoren

Volocopter hat elektrischen Antrieb

Volocopter/ Hochschule Karlsruhe,
An der Hochschule Karlsruhe – Technik und Wirtschaft werden Navigations- und Steuerungssystem für ein neuartiges bemanntes Fluggerät entwickelt. Das Projekt wird vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie mit zwei Millionen Euro gefördert.

Kristalle tackern Silikon und Teflon zusammen

Silikon ist ein typisches Antihaftmaterial mit sehr niedriger Oberflächenspannung, das man nicht nur als Fugenmaterial, sondern zum Beispiel auch als flexible Kuchenform kennt. Ähnlich beschaffen ist Teflon, bekannt als Bratpfannenbeschichtung. Beide Materialien sind synthetisch hergestellte Kunststoffe, sogenannte Polymere.
Ein interdisziplinäres Forschungsteam der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) hat nun eine neue Technologie entwickelt, mit der die beiden Antihaftmaterialien erstmals aufeinander haften.
Link zur Publikation:
http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1002/adma.201201780/abstract
Webseite des Sonderforschungsbereiches 677:
http://www.sfb677.uni-kiel.de

Speiseröhrenkrebs: Früherkennung wichtig

Jährlich erkranken in Deutschland über 6000 Menschen an Speiseröhrenkrebs. Beängstigend ist derzeit die Zunahme des sogenannten Barrett-Karzinoms, das vor allem bei Männern über 50 Jahren mit chronischem Sodbrennen auftritt. Die Prognose für Speiseröhrenkrebs ist ungünstig: Fünf Jahre nach der Diagnose liegt die Überlebensrate derzeit bei lediglich 17 Prozent. Wird der Schleimhautkrebs jedoch früh erkannt und behandelt, ist er in mehr als 90 Prozent der Fälle heilbar.

Eizellen einfrieren: Je jünger desto besser

Das Einfrieren von Eizellen ist gerechtfertigt, um jungen Krebspatientinnen nach Abschluss der Therapie eine Schwangerschaft zu ermöglichen. Aber die Erfolgsraten sind vor allem bei Frauen über 35 Jahren zu niedrig, um die Kältekonservierung als Instrument der Familienplanung einzusetzen.
Quellen:
Nawroth, F., R. Dittrich, M. Kupka, B. Lawrenz, M. Montag, M. von Wolff. Kryokonservierung von unbefruchteten Eizellen bei nichtmedizinischen Indikationen („social freezing“). FRAUENARZT 53(2012) (528-533).

Beim Üben Pausen machen zahlt sich aus

Eine neue psychologische Studie der University of New South Wales in Sydney, Australien, zeigt, dass sich Lernerfolg schneller einstellt, wenn man regelmäßige Pausen einplant und nicht rund um die Uhr trainiert.
Die Wissenschaftler Soren Ashley und Joel Pearson scheinen die alte Redewendung „Übung macht den Meister“ somit Lügen zu strafen. Denn wer zu viel übt, der wird ganz nach dem Gesetz des abnehmenden Ertrags kleinere Fortschritte machen.

Tauchroboter kann sich selbst lokalisieren

Ein intelligenter mobiler Tauchroboter inspiziert unter Wasser liegende Pipelines von Industrieanlagen eigenständig und erkundet unbekannte Gewässer. Neuartige Algorithmen ermöglichen ihm, Gebiete gezielt abzufahren und Bilder an Land zu übermitteln. So werden z.B. Rohrdefekte aufgespürt oder Hafenbecken kontrolliert. Das schützt den Menschen vor Einsätzen in gefährlichen Gebieten und verhindert Umweltschäden. DFKI-Roboter Dagon inspizierte die Innenwände der Kühlleitungen eines Kohlekraftwerks in Norddeutschland. Weitere Einsatzfelder können künftig Anlagen in der Tiefsee sein.

WWWW vom 13.8.2012: Fruchtfliegen und 3D-Printer

Heute wenig Text und viel Wort:
Biologe Shaun Winterton von der California State Collection of Arthropods hat einen neuen Ansatz gewählt auf der Suche nach neuen Insektenarten: Er hat Flickr-Bilder durchsucht und stieß prompt auf ein Bild einer Mücke, die anders aussah als ihm bekannt. Sie hatte schwarze Streifen wo sonst keine sind. Ein Jahr später hat man auch ein lebendes Exemplar gefangen, und der Flickr-Fotograf bekam sogar eine Erwähnung als Co-Autor im Paper über die neue Art.

In Laos hat Insektenforscher Peter Jäger eine neue Spinnenart gefunden, die keine Augen hat. Sie lebt in Höhlen, was wohl eine Erklärung sein dürfte und hat keine Pigmentierung.

http://www.contourcrafting.org/ ist eine Webseite des Forschers Dr. Behrokh Khoshnevis, der das 3-D-Drucken von Häusern erfunden hat. Mittels eines großen Krans lassen sich Häuser Schicht für Schicht bauen, und das in 20 Stunden. Bei TED gibt es ein sehr schönes Video.
Contourcrafting

Wissenschaftler der Freien Universität Berlin und des Centre for Genomic Regulation (CRG) in Barcelona haben Software zur Analyse der Bewegungen von einzelnen Drosophila-Fruchtfliegen und deren Larven entwickelt. Das Verhalten wird dabei aus Videodaten extrahiert und mathematisch analysiert. Die Programme sind als Open-Source-Software für jedermann zugänglich und ermöglichen es, auf teure Hard- und Software Produkte bei der Erforschung des Verhaltens der Drosophila-Fruchtfliege zu verzichten. Die Arbeit erschien zeitgleich in zwei Publikationen der Fachzeitschrift PLoS ONE. Die frei zugänglichen Programme (http://buridan.sourceforge.net, http://sos-track.sourceforge.net) erkennen die einzelnen Verhaltenskomponenten in den Kameradaten und können diese mathematisch auswerten.

Ich habe das zum Anlass genommen nochmal eine ältere Aufnahme einzubauen, in der ich Dr. Björn Brembs zum Thema Fruchtfliegen befragt habe.

WWWW vom 6.8.2012: Plastikmüll und Bubbletee

Plastik auf dem Prüfstand

Plastikmüll landet oft in Gewässern und verbleibt dort mit ungewissen Folgen für das Ökosystem. Weil diese Kontamination nun erstmals präzise analysiert werden kann, lassen sich auch die Auswirkungen auf Mensch und Tier besser untersuchen. Bislang konnte die Verschmutzung aquatischer Ökosysteme durch Kunststoffe aber nicht exakt bestimmt und damit das Risiko nicht umfassend abgeschätzt werden.
Web: http://sci.bio.lmu.de/ecology/evol_e/people_laforsch_e.html

Pilotstudie: Social networks motivieren Sportler

Je aktiver ein Sportler auf Social-Media-Plattformen ist, umso größer ist die Motivation, die er aus dem dort entstehenden Kontakt mit seinen Fans herausziehen kann. Das ist das Ergebnis einer Pilotstudie zur Fragestellung, wie Social-Media den Spitzensport verändern können. Die Ergebnisse der Untersuchung des European Institute for Media Optimization (Berlin), die unter Leitung von Prof. Dr. Gregor Daschmann (Universität Mainz) von forum!-Marktforschung (Mainz) durchgeführt wurde, wurden jetzt im Rahmen der Olympischen Spiele im Deutschen Haus in London präsentiert.

Bubbletee eine Gefahr?

Bubble Tea hat sich zu einem Trendgetränk entwickelt, das vor allem bei Kindern und Jugendlichen sehr beliebt ist. Das bunte Getränk besteht aus gesüßtem grünen oder schwarzen Tee und wird mit Milch und Fruchtsirup versetzt. Als Besonderheit werden dem Getränk Kügelchen (Bubbles) aus Stärke zugesetzt, die mit einer süßen Flüssigkeit gefüllt sind. Bubble Tea wird mit einem breiten Strohhalm getrunken, durch den auch die Bubbles in den Mund gesaugt werden. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) weist darauf hin, dass Bubbles in die Atemwege eindringen können.

Nachthimmel bald blau?

Die Färbung des Nachthimmels wird sich nach einer Prognose von Wissenschaftlern vom Institut für Weltraumwissenschaften der Freien Universität Berlin und vom Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei drastisch verändern. Bei einem Wechsel zu LED-Straßenbeleuchtung wird nach Meinung der Forscher blaues Licht verstärkt die Färbung des Nachthimmels beeinflussen. Mit einem eigens entwickelten Messgerät für Veränderungen in der Himmelsfarbe stellten die Forscher fest, dass sich der Nachthimmel über Berlin bei Bewölkung derzeit rötlich färbt. Ihre Studie trägt daher den Titel „Rot ist das neue Schwarz“. Sie erscheint in einer Publikation der Royal Astronomical Society
Website von Christopher Kyba: http://userpage.fu-berlin.de/~kyba
http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/j.1365-2966.2012.21559.x/full (Artikel)

Warum Paprika nicht nachreifen

Das Reifehormon Ethylen lässt grüne Tomaten auch nach der Ernte noch erröten. Paprika und Chilischoten zeigen sich hingegen gänzlich unbeeindruckt von dem Pflanzenhormon. Dieses unterschiedliche Verhalten überrascht umso mehr, da Tomaten und Paprika zwei nahe Verwandte sind. Forscher des Max-Planck-Instituts für Molekulare Pflanzenphysiologie in Potsdam sind der Sache nachgegangen und haben dazu die Genexpressionslevel und Stoffwechselwege der Pflanzen verglichen. Reifeprozesse zu verstehen ist wichtig, damit Lebensmittel nicht auf dem Weg vom Erzeuger zum Konsumenten verfaulen.

WWWW vom 30.7.2012: Wer darf wann ein Organ bekommen?

Juristen schlagen Änderungen bei Organtransplantation vor

Bei der Transplantation von Spenderorganen ist es nach Ansicht Heidelberger Rechtswissenschaftler verfassungsrechtlich zulässig und geboten, die Verteilung knapper Organe nicht nur an der medizinischen Dringlichkeit auszurichten, sondern auch die Erfolgsaussichten der Transplantation zu berücksichtigen. Allerdings ist das „Erfolgskriterium“ an bestimmte Voraussetzungen gebunden, wie der Strafrechtsprofessor Dr. Gerhard Dannecker und seine Mitarbeiterin Anne Franziska Streng in einem Aufsatz in der „Juristenzeitung“ darlegen.

Haifischzähne sind so hart wie unsere

Und der Haifisch, der hat Zähne… – aber was für welche: Wissenschaftler der Universität Duisburg-Essen (UDE) und des Max-Planck-Instituts für Eisenforschung (MPIE) in Düsseldorf haben die Zahnstrukturen bei Hai und Mensch analysiert und dabei Erstaunliches festgestellt: Obwohl die Beißer des Raubtiers zu hundert Prozent Fluoride enthalten, also das Mineral, das niedrigdosiert in Zahncremes steckt, sind sie nicht härter als unsere.
Die Forschungsergebnisse sind in der aktuellen Ausgabe des Journal of Structural Biology, 178 (2012), veröffentlicht.
DOI http://dx.doi.org/10.1016/j.jsb.2012.03.012

Software hilft Beachvolleyballern

Seit 1996 gehört Beachvolleyball zum festen Repertoire der Olympischen Spiele – auch 2012 in London. Bei der auf Sand gespielten Volleyball-Variante kommt es neben Schlagkraft und Reaktionsvermögen vor allem auf die richtige Taktik an. Wissenschaftler der TU München haben für den Deutschen Beachvolleyballverband ein Tool entwickelt, das erstmals bei der Olympia-Vorbereitung der Nationalteams zum Einsatz kam. „Beachscouter“ unterstützt die acht deutschen Spielerinnen und Spieler dabei, sich während des Turniers optimal auf ihre Kontrahenten einzustellen.

Pflanzen in Grube messen entdeckt

Wissenschaftler des Senckenberg Forschungsinstitutes in Frankfurt haben die umfangreiche Frucht- und Samensammlung aus der Grube Messel untersucht. Sie fanden dabei 140 verschiedene Pflanzengattungen, von denen 65 bisher unbekannt waren. Die Ergebnisse werden heute in den „Abhandlungen der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung“ veröffentlicht. Sie belegen, dass Messel weltweit eine der artenreichsten Floren im Paläogen – der Zeitspanne von etwa 65 bis 23 Millionen Jahren vor heute – hatte.

Schwere Sterne haben oft einen Partner

Die schwersten Sterne im Universum drehen nicht so ruhige Bahnen, wie bislang gedacht. Weil sie sehr eng an Nachbarsterne herankommen, saugen sie ihren Begleitern zum Beispiel wie ein Vampir Materie ab oder verschmelzen zu noch größeren Sternenkolossen. Das hat nun ein internationales Forscherteam unter Beteiligung der Universität Bonn herausgefunden.

WWWW vom 23.7.2012: Maulwurf-Roboter schmelzt sich durchs Eis

Forscher der FH Aachen haben den „IceMole“ entwickelt, eine Einschmelzsonde, die sich wie ein Maulwurf durch das Eis schmelzen kann. Mit der „IceMole“-Technologie ist es möglich, nach Spuren von Leben im Eis zu forschen sowie die Eistemperatur, den Druck und andere Parameter in verschiedenen Schichten zu ermitteln. Später soll der „IceMole“ sogar im Weltall eingesetzt werden können. Zuerst allerdings testen die Forscher des Fachbereichs Luft- und Raumfahrttechnik der FH Aachen die Sonde auf ihre Funktionalität unter realen Bedingungen auf der Erde.
Der "IceMole" gräbt sich wie ein Maulwurf durch das Eis Foto: FH Aachen/www.lichtographie.de

Aerographit leichtestes Material der Welt

Mit ihrer Entwicklung von 99,99 Prozent Luft und 0,01 Prozent graphitischen Kohlenstoffs belegen die Tüftler der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) und der Technischen Universität Hamburg-Harburg (TUHH) seit gestern, (Donnerstag, 19. Juli) den ersten Platz unter den TOP 40 der Fachzeitschrift „Advanced Materials“. Gemeinsam gelang den Wissenschaftlern die Herstellung des zurzeit leichtesten Materials der Welt. Das Leichtgewicht mit Namen „Aerographit“ zeichnet sich durch einzigartige Eigenschaften aus. Es ist beispielsweise pechschwarz, stabil, elektrisch leitfähig, verformbar und undurchsichtig. Dadurch sind zahlreiche Anwendungen von Batterien bis Satellitentechnik denkbar.
Originalpublikation: Advanded Materials: „Aerographite: Ultra Lightweight, Flexible Nanowall, Carbon Microtube Material with Outstanding Mechanical Performance“; Autoren: Matthias Mecklenburg, Arnim Schuchardt, Yogendra Kumar Mishra, Sören Kaps, Rainer Adelung, Andriy Lotnyk, Lorenz Kienle and Karl Schulte. DOI: 10.1002/adma.201200491
http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1002/adma.201200491/pdf

Kapsel zeichnet Darmbewegung auf

Jeder fünfte Patient im Wartezimmer von Ärzten leidet am so genannten Reizdarmsyndrom (RDS). Darmkrankheiten und Verdauungsstörungen werden meist schamhaft verschwiegen. Dabei ist der Darm – das größte Organ des menschlichen Körpers – besonders wichtig für die Immunabwehr sowie als Hauptportal für Arzneimittel. In den Industrieländern leiden über 10 % der Bevölkerung an RDS, in Südamerika über 40 %.
Eine Forschungsgruppe der Ernst-Abbe-Fachhochschule Jenaentwickelte kürzlich ein System, mit dem erstmals wirklich die Bewegungen im gesamten Darm beobachtet werden können. Das Gerät kann ebenfalls am Körper getragen werden. Die dabei benutzte Kapsel kann problemlos den gesamten Darm passieren. Sie erfasst die Bewegungen des Darminhaltes kontinuierlich während der gesamten Passagezeit und zeigt sie dreidimensional in Echtzeit auf einem Bildschirm an.

Auch Fruchtfliegen belohnen sich mit Dopamin

Jedes Kind lernt schnell, negative Situationen zu vermeiden und nach positiven zu streben. Doch nicht nur Menschen können sich an positive und negative Sinneseindrücke erinnern; sogar das verhältnismäßig kleine Gehirn von Fruchtfliegen ist dazu in der Lage. Dabei spielen Nervenzellen eine Rolle, die mit den Pilzkörpern im Fruchtfliegengehirn verbunden sind und den Botenstoff Dopamin enthalten. Forscher des Max-Planck-Instituts für Neurobiologie in Martinsried identifizierten vier verschiedene spezifische Typen solcher Nervenzellen. Drei dieser Nervenzelltypen übernehmen verschiedene Funktionen bei der Speicherung negativer Reize, während der vierte es den Fliegen ermöglicht, sich positive Sinneseindrücke zu merken.
Originalpublikationen:
Chang Liu, Pierre-Yves Plaçais, Nobuhiro Yamagata, Barret D. Pfeiffer, Yoshinori Aso, Anja B. Friedrich, Igor Siwanowicz, Gerald M. Rubin, Thomas Preat, Hiromu Tanimoto
A subset of dopamine neurons signals reward for odour memory in Drosophila
Nature, 18.Juli 2012, DOI: 10.1038/nature11304

Teilnehmern an Kinder-Trauma-Studie gesucht

In Deutschland sind jährlich Tausende von Kindern sehr belastenden Lebensereignissen wie schweren Unfällen, Katastrophen, lebensbedrohlichen Krankheiten, aber auch Misshandlung, schwerer Vernachlässigung, sexueller oder häuslicher Gewalt ausgesetzt. Posttraumatische Belastungsstörungen (PTBS) sind eine mögliche Folgereaktion solcher Extrembelastungen. Das Projekt TreatChildTrauma hat sich zum Ziel gesetzt, die Versorgung seelisch traumatisierter Kinder mit PTBS, die in Deutschland gar nicht oder wenig zielgerichtet erfolgt, zu verbessern und die Betroffenen so vor oft lebenslangen Spätfolgen zu bewahren. Die Ulmer Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie/Psychotherapie führt dazu mit ihren Kooperationspartnern die in diesem Fachgebiet bundesweit erste multizentrische Studie durch, an der Betroffene teilnehmen können.
Ab sofort können betroffene Kinder und Jugendliche mit ihren Eltern bzw. Bezugspersonen an der Studie teilnehmen.
Kontakt:
Tel. 0731/500-62626
E-Mail: tct.kjp@uniklinik-ulm.de

WWWW vom 17.7.2012: Amselsterben und Schlafkrankheit

Genanalyse hilft bei Netzhauterkrankungen

Eine entscheidende Hürde in Diagnostik und Therapie erblicher Netzhauterkrankungen haben Wissenschaftler in den letzten Jahren genommen – sie haben den Sprung vom Labor in die Klinik geschafft. Eine Vielzahl verschiedener Therapiekonzepte wird bereits in klinischen Studien an Patienten erprobt oder steht kurz davor. Von einem »Durchbruch« sprechen Experten auf dem 17. Weltkongress der Selbsthilfeorganisation RETINA INTERNATIONAL auch angesichts der neuen Möglichkeiten der Genanalyse, welche die Diagnostik dieser Erkrankungen einerseits erleichtert, die Genetiker, Augenärzte und Patienten aber auch vor neue Herausforderungen stellt.

Amselsterben: Bitte tote Vögel melden

April21-AmselFoto: April21-Amsel by Charlott_L, on Flickr, CC-NC-SA

Gestern Abend haben Virologen des Bernhard-Nocht-Instituts für Tropenmedizin (BNI) sechs tote Amseln aus Rheinland Pfalz und erstmals auch eine Amsel aus Nordrhein-Westfalen positiv auf das von Mücken übertragene Usutu-Virus getestet. Damit bestätigten sie die Prognose von Mückenexperten der Aktionsgemeinschaft zur Bekämpfung der Stechmückenplage (KABS) aus dem Frühjahr, dass im Sommer 2012 ein erneutes Amselsterben zu erwarten sei und der Ausbruch andere Bundesländer erfassen könnte.
MELDEFORMULAR: http://www.nabu.de/tiereundpflanzen/voegel/forschung/amselsterben

Hoffnung für Medikament gegen Schlafkrankheit

Gegen die Afrikanische Schlafkrankheit werden dringend bessere Medikamente benötigt. Würzburger Wissenschaftler haben einen viel versprechenden neuen Wirkstoff entwickelt, den es nun weiter zu optimieren gilt.
Die Afrikanische Schlafkrankheit wird von dem tropischen Parasiten Trypanosoma brucei ausgelöst. Dieser einzellige, wurmartige Organismus ist in Afrika südlich der Sahara verbreitet. Auf den Menschen kann er durch den Stich einer Tse-Tse-Fliege übertragen werden. Die Infizierten bekommen zuerst Kopf- und Gliederschmerzen, dann stellen sich Verwirrung, Krämpfe und andere Symptome ein. Am Ende fallen sie in eine Art Wachkoma und sterben. Jedes Jahr kommt es zu 30.000 Neuinfektionen.

Gewaltvideospiele wecken Schuldgefühle

Werden Probanden nach dem Spielen eines gewalthaltigen Videospiels dazu aufgefordert, ein Geschenk auswählen, entscheiden sich unerfahrene Videospieler – im Gegensatz zu jenen, die öfters gewalthaltige Videospiele spielen – häufiger für hygienischere Produkte, wie Duschgel, Zahnpasta und Deodorants. Weiter empfinden unerfahrene Spieler die Gewalt in Videospielen als größere moralische Belastung. Dies ging aus einer aktuellen Studie der Universität Luxemburg hervor.

Webapp solle bei Mathe helfen

Mathematik-Didaktiker an der Universität Bayreuth haben eine neuartige Software für den Geometrieunterricht an Schulen entwickelt. Auf Tablet-Computern, die direkt über Fingerbewegungen auf einem Touchscreen gesteuert werden, können Schülerinnen und Schüler in kürzester Zeit präzise geometrische Konstruktionen entwickeln und ain der Cloud abspeichern. Die Software mit dem Namen “Sketchometry” ist im WWW uneingeschränkt und kostenlos zugänglich.

http://sketchometry.org