WWWW vom 17.10.2016: Blinde Fische und römische Schiffe

Römer segelten auch auf Flüssen

Neben dem Wagenrennen liefert die Seeschlacht die spektakulärsten Szenen der Neuverfilmung von Ben Hur. Sie führen einem Millionenpublikum beiläufig vor Augen, welche exzellenten Schiffsbauer die Römer waren. Römische Binnentransportschiffe wirken zwar weniger imposant als geruderte Kriegsschiffe, waren für die Infrastruktur und Logistik des Römischen Reiches aber von enormer Bedeutung. Die Professoren Christoph Schäfer von der Universität Trier und sein Kollege Karl Hofmann von Kapherr von der Hochschule Trier haben für diesen weit verbreiteten Schiffstyp bahnbrechende Erkenntnisse gewonnen.

Regen treibt unbekannten Fisch an die Oberfläche

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Anhand morphologischer Merkmale und mittels DNA-Analysen wiesen Fischforscher vom Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) in Berlin und vom Zoologischen Forschungsmuseum Alexander Koenig – Leibniz-Institut für Biodiversität der Tiere (ZFMK) in Bonn mit Kollegen aus Kurdistan eine neue, unterirdisch lebende, blinde Schmerlenart aus dem Irak nach. Diese Art ist die zweite Spezies einer erst kürzlich aufgestellten Schmerlengattung. Extrem starke Regenfälle im März 2016 spülten die Tiere aus dem Untergrund an die Erdoberfläche.
Quelle:
Freyhof, J., Abdullah, Y. S., Ararat, K., Ibrahim, H., Geiger, M. F. (2016): Eidinemacheilus proudlovei, a new subterranean loach from Iraqi Kurdistan (Teleostei; Nemacheilidae). -.

http://doi.org/10.11646/zootaxa.4173.3.2

Mischwälder sichern Artenvielfalt und Produktivität

Zum ersten Mal haben Wissenschaftler die Biodiversität und ihren Einfluss auf die Produktivität von Wäldern weltweit untersucht. Dafür sind Daten von mehr als 770.000 Probeflächen aus 44 Ländern ausgewertet worden. Die Studie erfasst rund 30 Millionen Bäume, darunter 8700 Baumarten von Mangroven über Bäume in tropischen Feuchtwäldern, Mitteleuropa, Tundren und Trockensavannen bis hin zum Bestand in mediterranen Wäldern. Die Autoren schlussfolgern, dass ein Artenrückgang zu massiven Einschnitten bei der Produktivität der Wälder führt, während in Mischbestände umgewandelte Monokulturen signifikant höhere Holzzuwächse erbringen können.

Antikörper-Therapie könnte auch bei HIV helfen

Weltweit sind laut WHO rund 36 Millionen Menschen mit HIV infiziert. Ein Heilmittel gegen die tödliche Virusinfektion konnte bislang noch nicht gefunden werden. Nun hat ein internationales Forscherteam, an dem auch Wissenschaftler des Deutschen Primatenzentrums (DPZ), Leibniz-Institut für Primatenforschung in Göttingen, beteiligt waren, eine neue Behandlungsstrategie gegen das dem HIV verwandte Simiane Immundefizienz-Virus (SIV) entwickelt.
Originalpublikation

Byrareddy, S.N. et al. (2016): Sustained virologic control in SIV+ macaques following short term ART and alpha4beta7-mAb treatment. Science, 355 (6309), 14. Oktober 2016

Science Slam Weltraum

Die Raumfahrt birgt enorme Erkenntnispotentiale. Technik- und Naturwissenschaften erliegen der Faszination einer ganz speziellen Forschungsumgebung, die exzellente Wissenschaft ebenso wie die Neugier der Forschenden herausfordert. Doch die Gesellschafts- und Geisteswissenschaften partizipieren bis jetzt nur vereinzelt an diesen Ressourcen und Herausforderungen. Fehlt es am Interesse? Am Selbstbewusstsein der Disziplinen? An mangelnden Erfolgsaussichten? Es ist an der Zeit, das zu ändern. Aufgerufen werden daher Kultur-, Gesellschafts- und Geisteswissenschaftlerinnen, sich mit Projektideen für Forschungsprogramme im sogenannten Moon Village auf einen Science Slam zu bewerben.
Utopie im Weltraum – schwerelos und forschungsstark
14. Dezember 2016, 18.00 h im Schader-Forum Darmstadt

WWWW vom 10.10.2016: Motorfrosch, Motorkortex und Motzkast

Mal wieder ein wenig Werbung für andere Podcasts: Heute der Motzcast aus Offenbach. Es geht ums Motzen, wie der Name schon sagt.

Kleiner Frosch mit Motorsound

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Senckenberg-Wissenschaftler haben in Brasilien zwei neue Pfeiffrosch-Arten entdeckt. Einer der neu beschriebenen Amphibien hat den Beinamen „Motörchen“ erhalten – der Ruf der winzigen männlichen Frösche erinnert an ein Motorengeräusch. Das internationale Wissenschaftlerteam analysierte über 2000 Froschrufe und konnte anhand der akustischen, morphologischen und genetischen Merkmale die Artenzahl von bisher 18 auf 20 Arten erhöhen.
Two New Species of Pseudopaludicola (Anura: Leptodactylidae: Leiuperinae) from Eastern Bolivia and Western Brazil. André Pansonato, Ana Cristina P. Veiga-Menoncello, Jessica R. Mudrek, Martin Jansen, Shirlei M. Recco-Pimentel, Itamar A. Martins, and Christine Strüssmann. Herpetologica 2016 72 (3), 235-255. DOI:http://dx.doi.org/10.1655/Herpetologica-D-14-00047.1

Hormone mit monatlichem Einfluss auf weibliches Gehirn

Unser Gehirn besitzt selbst im Erwachsenenalter keine starre Struktur. Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Kognitions- und Neurowissenschaften in Leipzig haben nun eine weitere erstaunliche Beobachtung gemacht: Das Gehirn kann sich nicht nur wie bisher angenommen in langfristigen Prozessen an die Umwelt anpassen. Vielmehr gelingt ihm das jeden Monat aufs Neue. Die Forscher haben beobachtet, dass bei Frauen parallel zum Rhythmus des Östrogenspiegels über ihren Monatszyklus hinweg auch die Struktur ihres Hippocampus variiert – einer Hirnstruktur, die für Gedächtnis, Stimmung und Emotionen besonders wichtig ist.
Originalpublikation:
Barth, C. et al.
In-vivo Dynamics of the Human Hippocampus across the Menstrual Cycle.
Nature Scientific Reports 6, 32833

Kunststoffe aus Biofasern

Aus Abfällen der Papierproduktion lassen sich hochwertige Kunststoffe herstellen. Wie das geht, haben Fraunhofer-Forscher herausgefunden. Den Straubinger Forschern geht es nicht um kompostierbare Plastiktüten, sondern um stabile High-Performance-Kunststoffe für spezielle Anwendungen, die sich umweltfreundlich herstellen lassen. An dem Straubinger Institutsteil BioCat des IGB, das Professor Volker Sieber leitet, wurden Verfahren für die Umwandlung von Terpenen, sprich Reststoffen der Cellulosegewinnung aus Holz, zu Biotensiden, biobasierten Epoxiden oder Monomeren für besonders schlagfeste, kältestabile Polyamide entwickelt.

Maiszünsler sind anders

Wie findet eine männliche Motte die richtige Partnerin, wenn zwei ähnliche Stämme weiblicher Motten mit ihren Pheromonen locken? In vielen Arten sind die Unterschiede in den Insektenantennen, mit denen die Mottenmännchen die Lockstoffe riechen, für die Wahl der Partnerin verantwortlich. Beim Maiszünsler scheinen jedoch Veränderungen im Hirn der Männchen die Wahl zwischen den zwei zur Verfügung stehenden Weibchenstämmen zu bestimmen.
Originalveröffentlichung:
Koutroumpa, F. A., Groot, A. T., Dekker, T., Heckel, D. G. (2016). Genetic mapping of male pheromone response in the European Corn Borer identifies candidate genes regulating neurogenesis. Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America (Early Edition), DOI: 10.1073/pnas.1610515113
http://dx.doi.org/10.1073/pnas.1610515113

Pasta oder Proteine

Kohlenhydrate machen krank und dick? Ganz im Gegenteil, wie die University of Sydney meldet. Eine kohlenhydratreiche Ernährung unterstützt die Produktion eines Hormons, das den Appetit zügelt, die Gesundheit erhält und auch als lebensverlängernd gilt.

Motor-kortex nicht nur ausführend bei Entscheidungen

Tübinger Neurowissenschaftler finden Hinweise, dass der Motor-kortex unsere Entscheidungsfindung beeinflusst ‒ und bei “Ent-weder-Oder”-Entscheidungen für abwechselnde Reaktionen sorgt. Die Forscher haben nun Hinweise gefunden, die dieser Unterteilung in „entscheidende“ und „reagierende“ Hirnregionen widersprechen. Demnach finden sich in motorischen Arealen unseres Gehirns Echos vorhergehender Entscheidungen, die Einfluss auf unsere nächsten Entscheidungen haben.
Publikation:
Anna-Antonia Pape, Markus Siegel: Motor Cortex Activity Predicts Response Alternation during Sensorimotor Decisions. Nature Communications (2016). http://dx.doi.org/ncomms13098

WWWW vom 3.10.2016: Gute Menschen, alte Menschen und müde Menschen

Neuer EEG-Algorithmus hilft Übererregung zu vermeiden

Tagesmüdigkeit ist ein belastendes Symptom, das sowohl bei psychischen Störungen wie Depression, Angst und Schlafstörungen als auch bei diversen nicht-psychiatrischen Erkrankungen häufig berichtet wird. Neurophysiologen des Universitätsklinikums Leipzig haben nun eine Methode entwickelt, die dazu beitragen soll, zu erkennen, ob die Erschöpfung bei einem Patienten mit einem zu niedrigem oder einem zu hohen zentralnervösen Erregungsniveau einhergeht.
Quelle:
Ulrich Hegerl, Tilman Hensch. The vigilance regulation model of affective disorders and ADHD. Neuroscience an Biobehavioral Reviews 44 (2014) 45-57

Energieverbrauch kann im Alter steigen

Wie ernährt man sich im Alter optimal? Das ist eine zentrale Frage in unserer Gesellschaft, die sich im demographischen Wandel befindet. Die Gießener Senioren Langzeitstudie (GISELA), die am Institut für Ernährungswissenschaft der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU) vor mehr als 20 Jahren begonnen hat, bringt Licht in die Zusammenhänge zwischen Ernährung und Gesundheit im Alter.

Arschloch bleibt Arschloch, auch in der Not

Denken Menschen in Gefahrensituationen nur an sich selbst? In einer Studie, die in der Fachzeitschrift Nature Scientific Reports erschienen ist, haben Forscher des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung gezeigt, dass Hilfsbereitschaft gerade im Notfall stark von der Persönlichkeit abhängt. Die Ergebnisse zeigen: Soziale Menschen helfen in der Not, Egoisten nicht.
Moussaïd, M., & Trauernicht , M. (2016). Patterns of cooperation during collective emergencies in the help-or-escape social dilemma. Nature Scientific Reports. doi:10.1038/srep33417

Kleine Städte von Klimawandel besonders betroffen

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Nicht Megacitys, sondern kleine und mittelgroße Städte wachsen rapide und sind besonders verwundbar gegenüber Extremereignissen und Klimawandel und müssen daher besser geschützt werden. Zu diesem Ergebnis kommt eine von einem internationalen Forscherteam unter der Federführung von Prof. Jörn Birkmann (Universität Stuttgart) erarbeite neue Studie, über die das Fachmagazin NATURE berichtet. Insbesondere sollten die schnellwachsenden Klein- und Mittelstädte in Afrika und Asien bei der in wenigen Tagen beginnenden Weltkonferenz für Städte mehr Beachtung finden.
Birkmann, Joern; Welle, Torsten, Solecki, William; Lawsa, Shuaib and Garschagen, Matthias (2016): Boost resilience of small and mid-sized cities, smaller settlements are growing faster than megacities — and they need more protection from extreme events, in: NATURE (vol. 537), Seiten 605-608. Onlineversion und ergänzende Materialien:
http://nature.com/articles/doi:10.1038/537605a

Spermidin hilft Synapsen

Gedächtnisdefizite im Alter können einer deutsch-österreichischen Studie zufolge unter Umständen durch die Einnahme des Polyamin-Moleküls Spermidin gemindert oder behoben werden. Diese natürliche Substanz könne bewirken, dass Synapsen im Gehirn ihre Fähigkeit auch im Alter beibehielten, Nervenzellen zu verbinden, fanden die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler um Prof. Dr. Stephan Sigrist von der Freien Universität Berlin, Prof. Dr. André Fiala von der Georg-August-Universität Göttingen und Prof. Dr. Frank Madeo von der Karl-Franzens-Universität Graz durch Untersuchungen an der Fruchtfliege Drosopila melanogaster heraus.
Quelle: PLOS Biology | DOI:10.13 71/journal.pbio.1002563 September 29, 2016

Wie hochenergetische Partikel an der Erde abprallen

Ein geomagnetischer Sturm hat sich als Glücksfall für die Wissenschaft erwiesen. Jahrzehnte rätselte die Forschung, wie hoch energetische Partikel, die auf die Magnetosphäre der Erde treffen, wieder verschwinden. Jetzt hat Yuri Shprits vom Deutschen GeoForschungsZentrum GFZ und der Universität Potsdam mit einem internationalen Team eine Erklärung gefunden: Entscheidend für den Verlust an Teilchen ist, wie schnell die Partikel sind. Shprits: „Das hilft uns auch, Prozesse auf der Sonne, auf anderen Planeten und sogar in fernen Galaxien zu verstehen.“ Er fügt hinzu: „Die Studie wird uns überdies helfen, das ‚Weltraumwetter‘ besser vorherzusagen und damit wertvolle Satelliten zu schützen.“

WWWW vom 26.9.2016: Osteoporose, Lungenentzündung in Korallenbleiche

Medikament soll Knochenschwund aufhalten

Jede dritte Frau entwickelt im Laufe ihres Lebens eine Osteoporose (Knochenschwund). Knochenbrüche – vor allem an der Wirbelsäule, der Hüfte oder den Gliedmaßen – sind häufige Folge und führen zu starken Schmerzen und erheblichen Einschränkungen der Mobilität. Ein Drittel aller Patienten überlebt das erste Jahr nach einer Hüft-nahen Fraktur nicht. Ein neues Medikament der amerikanischen Firma Amgen, das diese Knochenbrüche bei Osteoporose verhindern soll, wurde nun in einer klinischen Studie getestet. Und die Ergebnisse machen Hoffnung.
Publikation
Cosman F, Crittenden DB, Adachi JD, Binkley N, Czerwinski E, Ferrari S, Hofbauer LC, Lau E, Lewiecki EM, Miyauchi A, Zerbini CA, Milmont CE, Chen L, Maddox J, Meisner PD, Libanati C, Grauer A.: Romosozumab Treatment in postmenopausal women with osteoporosis. N Engl J Med. 2016 Sep 18., DOI: 10.1056/NEJMoa1607948

Borreliose besser diagnostizieren

Seit Jahren gibt es zahlreiche Patienten und ärztliche Kollegen, die chronische Beschwerden wie Fatigue, Neurasthenie, Konzentrationsstörungen, Fibromyalgie sowie weitere unspezifische Symptome auf eine vermeintliche chronische Borrelieninfektion zurückführen. Oft sind nicht indizierte wochen‐ oder monatelange Antibiotikagaben, z.T. in Kombination mit mehreren Substanzen, die Folge. Dabei muss es nich gar nicht um eine Borreliose handeln, hat jetzt eine Studie ergeben.

Grippe und Lungenentzüdung besonders gefährlich

Das Bakterium Streptococcus pneumoniae, ein verbreiteter Auslöser von Lungenentzündungen, ist für Grippe-Patienten noch deutlich gefährlicher als für Gesunde. Nach einer „Doppel-Infektion“ mit Grippeviren und Streptococcus pneumoniae verläuft die Erkrankung stets besonders schwer, oft sogar tödlich. Dabei variieren die Abwehrreaktionen des Körpers auf das Bakterium sehr stark, je nach Bakterien-Stamm werden unterschiedliche Immunzellen und Botenstoffe aktiv: Das stellten Wissenschaftler des Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung (HZI) in Braunschweig und der Otto-von-Guericke Universität (OVGU) Magdeburg gemeinsam mit Partnern in Schweden und Berlin bei Versuchen mit Mäusen fest.
Originalpublikation:
Influenza A virus infection predisposes hosts to secondary infection with different Streptococcus pneumoniae serotypes with similar outcome but serotype-specific manifestation. Niharika Sharma-Chawla, Vicky Sender, Olivia Kershaw, Achim D. Gruber, Julia Volckmar, Birgitta Henriques-Normark, Sabine Stegemann-Koniszewski, Dunja Bruder. Infection & Immunity, 2016. DOI:10.1128/IAI.00422-16

Klimaschwankungen bringen Korallen durcheinander

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Korallen speichern in ihren Kalkskeletten wichtige Informationen über ihre Umwelt. So kann die Wissenschaft aus alten Korallenstöcken Klimaentwicklungen über zehntausende von Jahren präzise rekonstruieren. Untersuchungen unter Leitung des GEOMAR Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung Kiel zeigen allerdings, dass Extremereignisse wie El Niños das Wachstum und den Stoffwechsel der Korallen stark beeinflussen und so die Ergebnisse der Temperaturrekonstruktionen verfälschen können.
Originalarbeit:
Hetzinger, S., M. Pfeiffer, W.-Chr. Dullo, J. Zinke, D. Garbe-Schönberg (2016): A change in coral extension rates and stable isotopes after El Niño-induced coral bleaching and regional stress events. Scientific Reports 6, http://dx.doi.org/10.1038/srep32879

Solarzellen auf der LKW-Fahrerkabine

Strom wird dort produziert, wo er gebraucht wird – diesem Lösungsansatz sind die Continental Automotive GmbH und das Fraunhofer-Center für Silizium-Photovoltaik CSP nun für Lkw einen Schritt näher gekommen: Auf der IAA Nutzfahrzeuge zeigen sie einen Truck mit integrierten Solarmodulen auf der Dachhaube und dem Windabweiser der Fahrerkabine.

WWWW vom 19.9.2019: Borsten-Dinosaurier, hungriges Schwarzes Loch und nichts über Ägypten

Boden am Roten Meer älter als gedacht

Das Rote Meer ist für Geowissenschaftler ein faszinierendes Untersuchungsobjekt, weil sie dort einen Ozean in einem frühen Entwicklungsstadium beobachten können. Doch aufgrund der immer wieder schwierigen Arbeitssituation in der Region sind noch viele Fragen offen. Neueste Untersuchungen von Forschenden des GEOMAR Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung Kiel zeigen jetzt, dass viele bisherige Lehrmeinungen über das Rote Meer verändert werden müssen.
Originalarbeit:
Augustin, N., F. M. van der Zwan, C. W. Devey, M. Ligi, T. Kwasnitschka. P. Feldens (2016): Geomorphology of the central Red Sea Rift: Determining spreading processes. Geomorphology 273,http://dx.doi.org/10.1016/j.geomorph.2016.08.028

Protein spielt wichtige Rolle bei Brustkrebs-Metastasierung

Wissenschaftler aus dem Deutschen Krebsforschungszentrum haben gemeinsam mit Londoner Kollegen entdeckt, dass das Protein Endosialin eine Schlüsselrolle bei der Metastasierung von Brustkrebs spielt. Produzieren bestimmte Zellen der Blutgefäßwand viel Endosialin, so können Brustkrebszellen leichter in die Blutbahn eindringen und sich so im Körper ausbreiten. Die Forscher sehen in Endosialin einen potentiellen Biomarker, um das Risiko für die Metastasierung einzuschätzen. Wirkstoffe gegen Endosialin könnten möglicherweise sogar die Metastasierung aufhalten.

Carmen Viski, Courtney König, Magdalena Kijewska, Carolin Mogler, Clare M. Isacke, and Hellmut G. Augustin: Endosialin-expressing Pericytes Promote Metastatic Dissemination.
Cancer research 2016, DOI: 10.1158/0008-5472.CAN-16-0932

Wie ein Pilz sich ums Wohlergehen einer Pflanze sorgt

Viele Pilze schädigen Pflanzen und töten sie. Aber es gibt auch pflanzenfreundliche Pilze: Die meisten Landpflanzen leben in einer engen Gemeinschaft mit arbuskulären Mykorrhiza-Pilzen (AM-Pilzen), die ihr Wachstum fördern. Wie diese Symbiose zustande kommt, untersuchen Forscher der Gruppe „Molecular Phytopathology“ am Karlsruher Institut für Technologie (KIT). Die Wissenschaftler haben nun ein Gen identifiziert, das von den AM-Pilzen gezielt aktiviert wird und die Entwicklung der Pflanzenwurzel beeinflusst: Der GRAS-Transkriptionsfaktor MIG1 sorgt dafür, dass mehr und größere Wurzelrindenzellen entstehen.

Dino-Borsten waren keine Haare oder Federn

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Ein internationales Team um den Senckenberg-Wissenschaftler Dr. Gerald Mayr hat die Weichteilstrukturen des kreidezeitlichen Dinosauriers Psittacosaurus untersucht. Mittels einer neuen Technik konnten die Forscher bisher unbekannte Details der Schwanzborsten dieses kleinen Dinosauriers beschreiben. Erstmalig werden diese Hautstrukturen mit dem Truthahn-„Bart“ und anderen borstenartigen Bildungen heutiger Vögel verglichen und als evolutionäre Vorgänger moderner Federn identifiziert.

Schwarzes Loch ist am Verhungern

Ein internationales Astronomenteam mit starker deutscher Beteiligung hat mit dem Very Large Telescope der ESO und dem Röntgensatelliten Chandra der NASA das Rätsel um die ungewöhnliche Veränderung im Verhalten eines supermassereichen Schwarzen Lochs im Zentrum einer weit entfernten Galaxie gelöst. Es scheint, als stünden dem Schwarzen Loch harte Zeiten bevor, da es nicht mehr mit ausreichend Materie gefüttert wird, um weiterhin seine Umgebung aufleuchten lassen zu können.

Die sind Inhalt der Fachartikel „Mrk 1018 returns to the shadows after 30 years as a Seyfert 1” und „What is causing Mrk 1018’s return to the shadows after 30 years?”, die demnächst als Kurzartikel in der Zeitschrift Astronomy & Astrophysics erscheinen.

Magnetfelder versorgen Jets an Schwarzen Löchern mit Energie

Deutsche Astronomen haben das Magnetfeld in der Umgebung eines supermassereichen Schwarzen Lochs vermessen. Eine leuchtkräftige und sehr kompakte Struktur mit einer Ausdehnung von nur zwei Lichttagen im Herzen der aktiven Galaxie NGC 1052 wurde dabei mit einem weltweiten Netzwerk von Radioteleskopen im Millimeterbereich beobachtet. Die Beobachtungen zeigen eine Magnetfeldstärke zwischen 0,02 und 8,3 Tesla unmittelbar am Ereignishorizont des zentralen Schwarzen Lochs. Das Team unter Leitung der Doktorandin Anne-Kathrin Baczko zeigt somit, dass Magnetfelder die erforderliche Energie zur Versorgung der hochenergetischen relativistischen Jets in aktiven Galaxien zur Verfügung stellen können.
Originalveröffentlichung:

A highly magnetized twin-jet base pinpoints a supermassive black hole? A.-K. Baczko, R. Schulz, M. Kadler, E. Ros, M. Perucho, T. P. Krichbaum, M. Böck, M. Bremer, C. Grossberger, M. Lindqvist, A. P. Lobanov, K. Mannheim, I. Martí-Vidal, C. Müller, J. Wilms, und J. A. Zensus, 2016, Astronomy & Astrophysics, 593, A47.
www.aanda.org/10.1051/0004-6361/201527951

Lücken in protoplanetarer Scheibe zeugen von Auflösung

Um den Stern TW Hydrae lassen sich Lücken in der protoplanetaren Scheibe erkennen, die auf junge Planeten hindeuten könnten. LMU-Astrophysikerin Barbara Ercolano aber sagt, die innere dieser Lücken zeige, dass sich die Scheibe bereits auflöst. Als die Bilder Ende März dieses Jahres um die Welt gingen, versetzten sie die Fachwelt in Aufregung. Sie zeigten eine Scheibe, fast wie eine Schallplatte, nur leicht psychedelisch angehaucht in fettem Rot und Orange. Eine solche sogenannte protoplanetare Scheibe aus Gas und Staub rund um einen vergleichsweise jungen Stern – das ist der Ort, an dem Planeten entstehen. Mehr noch: In den neuen besonders detailgenauen Aufnahmen zeigen sich ringförmige Lücken rund um den Stern, der den Namen TW Hydrae trägt. Die könnten in der Tat junge Planeten in die Staubwolke gepflügt haben, mutmaßten Experten. Dem ist aber wohl nicht so.

WWWW vom 12.9.2016: Wie man aus Kautschuk Elektroden macht

Heute gibt es mal wieder eine kleine Sondersendung. Mir hatte Tobias geschrieben, der den Podcast hört und gerade in Thailand ist, um dort an der Prince of Songkla Universität forscht. Er ist für 2 Monate da, sein Forschungsgebiet sind im wesentlichen dielekrische Elastomeraktoren. Dazu gehören auch Elektroden die man aus Kautschuk machen kann. Und weil man in Thauiland gerade eine Menge Kautschuk hat, und Tobias ohnehin ein paar Kontakte zu thailändischen Wissenschaftlern hatte, bot es sich an, doch mal nachzuschauen, was die so vor Ort machen.
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Und weil Siem Reap so nahe ist, hat Tobias ein paar Tage Urlaub gemacht und ich hatte nicht nur Gelegenheit einen Hörer zu treffen sondern auch noch etwas darüber zu lernen, wie man Kautschuk leitfähig machen kann und was man damit anfangen kann.

Wir haben uns in der Temple Bakery unterhalten, deswegen ist ein wenig Musik und Wasserplätschern zu hören, ich hoffe es ist trotzdem hörbar.

WWWW vom 5.9.2016: Osteoporose-Protein, Transkriptionsfaktoren und Botox-Spritzen

Hilfe in Sicht bei Osteoporose-Therapie

Die Osteoporose trifft vor allem Frauen im vorgerückten Alter: Die Knochenstruktur wird geschwächt und das Risiko für Brüche steigt. Betroffene sollten auf richtige Ernährung und ausreichend Bewegung achten; bei hohem Bruchrisiko bekommen sie zusätzlich Medikamente verschrieben.

Bei der Suche nach verbesserten Arzneimitteln setzt die Forschung unter anderem auf das Protein Sclerostin, das im Knochenstoffwechsel eine Rolle spielt. Hemmt man seine Funktion, wird der Knochenabbau unterdrückt. Erste klinische Studien mit einem Sclerostin-hemmenden Antikörper der Firmen Amgen und UCB zeigten eine Zunahme der Knochenmasse bei Osteoporose-Patienten.
The sclerostin-neutralizing antibody AbD09097 recognizes an epitope adjacent to sclerostin’s binding site for the Wnt co-receptor LRP6. V. Boschert, C. Frisch, J. W. Back, K. van Pee, S. E. Weidauer, E.-M. Muth, P. Schmieder, M. Beerbaum, A. Knappik, P. Timmerman, T. D. Mueller. Open Biology 2016 6 160120; DOI: 10.1098/rsob.160120. Published 24 August 2016

Wichtig ist nicht nur dass sondern auch wo und wie Gen abgelesen wird

So genannte Transkriptionsfaktoren bestimmen häufig, wie sich eine Zelle entwickelt oder welches Protein sie in welchen Mengen produziert. Sie koppeln an einen Erbgutabschnitt und regulieren so, wie stark ein Gen aus diesem Abschnitt aktiv wird. Bislang gingen Wissenschaftler davon aus, dass die Bindungsstärke und die Nähe zum jeweiligen Gen die Aktivität steuern.
Originalpublikation:

Stefanie Schöne, Marcel Jurk, Mahdi Bagherpoor Helabad, Iris Dror, Isabelle Lebars, Bruno Kieffer, Petra Imhof, Remo Rohs, Martin Vingron, Morgane Thomas-Chollier, Sebastiaan H. Meijsing (2016). Sequences flanking the core binding site modulate glucocorticoid receptor structure and activity. Nature Communications 7, 12621 (2016), doi:10.1038/ncomms12621

Botox kann Borderline-Patienten helfen

Forscher der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) und der Asklepios Klinik Nord-Ochsenzoll haben herausgefunden, dass Botulinumtoxin Menschen hilft, die an der emotional instabilen Persönlichkeitsstörung des Borderline-Typs leiden.
Weitere Informationen erhalten Sie bei Professor Dr. Tillmann Krüger, MHH-Klinik für Psychiatrie, Sozialpsychiatrie und Psychotherapie, Telefon (0511) 532-2407, borderline@mh-hannover.de, und bei Privatdozent Dr. Marc Axel Wollmer, Asklepios Klinik Nord-Ochsenzoll, Telefon (040) 181887-2337, m.wollmer@asklepios.com.

Bad news: Zahl der Afrika-Elefanten geht weiter zurück

Zwischen 2007 und 2014 ist der afrikaweite Bestand an Elefanten um 30 Prozent zurückgegangen. Das hat der „Great Elephant Census“, dessen Ergebnisse gestern veröffentlicht wurden, aufgedeckt. Insgesamt 352.271 Elefanten wurden in den 18 Ländern, die der Zensus abdeckte, noch gezählt. Die Zoologische Gesellschaft Frankfurt (ZGF) hatte im Rahmen des „Great Elephant Census“ Zählungen in Tansania und Simbabwe durchgeführt.

Eventuell können wir uns mehr merken als wir dachten

Forscher der Monash University in Melbourne untersuchten das menschliche Erinnerungsvermögen und fanden Hinweise darauf, dass sich das Gehirn Gesichter besser merken kann, als bisher geglaubt wurde. Diese Erkenntnis könnte die Türen für nachfolgende Gedächtnisforschung öffnen und dafür sorgen, dass Augenzeugenberichte einen höheren Stellenwert in der Kriminalforschung einnehmen werden.

Die Studie, welche im Journal Psychological Sciences veröffentlicht wurde, baut auf bereits bestehender Gedächtnisforschung auf und wendet sie an, um die Glaubwürdigkeit von Augenzeugenberichten in Alltagssituationen zu untersuchen.

Flip-Flops sind kein Schuhwerk zum Autofahren

An heißen Sommertagen ist die Verlockung groß, mal eben mit Flip Flops ins Auto zu springen und einfach loszufahren. Wie gefährlich das ist, haben jetzt Wissenschaftler der Leuphana Universität Lüneburg mit einer Untersuchung belegt. Professor Friedrich Müller und sein Team vom LüneLab, dem Institut für Experimentelle Wirtschaftspsychologie der Leuphana, werteten dazu an einem Fahrsimulator 5.400 Bremsmanöver aus.

WWWW von 29.8.2016: Kurze Ansage

Heute gibt es kein Wissenschafts Podcast weil ich krankheitsbedingt zu Hause im Bett liege. Mich hat am Donnerstag ein Hund in Arm und Bein gebissen und die Bein-Wunde hat sich infiziert. Jetzt schlafe ich den ganzen Tag und versuche die Kopfschmerzen zu ignorieren. Ich hoffe nächste Woche gibt es dann wieder eine normale Sendung.

WWWW vom 22.8.2016: Ein Gewinnspiel, Erosion, Tektonik und Hecken auf Madagaskar

9783550081149_coverHeute gibt es was zu gewinnen: Ich habe vom Ullstein-Verlag 5 Bücher des Autoren Idan Ben-Barak bekommen, der das Buch “Warum sind wir eigentlich noch nicht tot?’ geschrieben hat. Es ist ein unterhaltsam geschriebenes Sachbuch zum Thema Immunsystem. Ben-Barak macht gerade seinen PhD in Australien. Im Buch geht es durchaus im Details, wie rheumatoide Arthritis, Diabtetes Typ 1 oder Multiple Sklerose, oder wie Grippeerreger ihren Weg in den Körper finden. Es ist kein Forschungsbericht, aber man bekommt am Ende ein besseres und ausgewogeneres Verständnis unseres Immunsystems.

Wer am Gewinnspiel teilnehmen möchte, schickt mir BIS 31.August (Einsendeschluss) entweder eine Email an wanhoffs.wissenschaft@gmail.com oder eine twitter-DM (@wanhoffswissen) oder eine Nachricht auf Facebook mit NAME UND ADRESSE. Die Gewinner werden benachrichtigt. Die Bücher sind nicht als E-Book als Gewinn erhältlich.

So, und jetzt zur Wissenschaft:

Tektonik schlägt Erosion

Das Erscheinungsbild der Landschaft wird geprägt von einer Interaktion zwischen Klima, sogenannten Oberflächenprozessen – etwa Erdrutschen oder Flusserosion – und der Tektonik. In einigen Regionen der Erde sind diese Oberflächenprozesse so stark, dass Forscheren sogar annahmen, sie könnten die Entwicklung der Tektonik beeinflussen. Eine internationale Gruppe von Wissenschaftlern um die Kölner Geographin Dr. Georgina King konnte das nun mit einer neuen Methode im östlichen Himalaya widerlegen.

Die Spätfolgen des Sauren Regens

Der Bayreuther Forscher Andreas H. Schweiger zeigt in seiner Doktorarbeit, wie die Schäden, die der ‚saure Regen‘ in den 1980er Jahren im Fichtelgebirge und im Frankenwald angerichtet hat, bis heute nachwirken. Einige Jahrzehnte später können sie – in Wechselwirkung mit neuen Umwelt- und Klimafaktoren – unerwartet zu einer Verschärfung ökologischer Herausforderungen beitragen.

Babys lernen Töne von der Mutter

Schon das erste Schreien von Neugeborenen trägt Spuren der Muttersprache. Das zeigt sich offenbar besonders deutlich, wenn es sich um Tonsprachen handelt, bei denen die Tonhöhe oder der Tonhöhenverlauf die Bedeutung von Wörtern bestimmen. Dies konnten chinesische und deutsche Wissenschaftlerunter Federführung durch die Uni Würzburg jetzt an neugeborenen Babys aus China und Kamerun zum ersten Mal zeigen.
Fundamental frequency variation within neonatal crying: Does ambient language matter? Kathleen Wermke, Johanna Teiser, Eunice Yovsi, Paul Joscha Kohlenberg, Peter Wermke, Michael Robb, Heidi Keller & Bettina Lamm. Speech, Language and Hearing,http://dx.doi.org/10.1080/2050571X.2016.1187903

Beta-Wellen helfen beim Vokabel-Lernen

Leistungssteigerung beim Sprachenlernen mithilfe von Hintergrundmusik ist ein Thema, das Forscherinnen und Forscher seit Jahrzehnten beschäftigt. Neuere Befunde legen nahe, dass Persönlichkeitseigenschaften wie z.B. Introvertiertheit sowie Art bzw. Kontext der Aufgaben eine bedeutsame Rolle spielen. Ob es Musik gibt, die bei kognitiven Aufgaben wie dem Lernen von Vokabeln leistungsfördernd wirkt, ist weiter umstritten. Dr. Mats Küssner, Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Musikwissenschaft und Medienwissenschaft der Humboldt-Universität zu Berlin (HU) konnte nun gemeinsam mit Kolleginnen der Universität von Amsterdam zeigen, dass Vokabeln besser im Gedächtnis bleiben, wenn mehr von einer bestimmten Hirnaktivität vorherrscht – ein Effekt der unabhängig von Hintergrundmusik gemessen wurde.

Originalpublikation:
Mats B. Küssner, Annette M. B. de Groot, Winni F. Hofman, Marij A. Hillen: “EEG Beta Power but Not Background Music Predicts the Recall Scores in a Foreign-Vocabulary Learning Task”:http://journals.plos.org/plosone/article?id=10.1371/journal.pone.0161387

Hecken für Madagaskar

Weltweit ist ein stetiger Verlust von Tier- und Pflanzenarten zu beobachten. Vor allem auf Madagaskar, das als sogenannter „Hotspot der Biodiversität“ gilt, sind einzigartige Tiergemeinschaften von dramatischen, durch Menschen hervorgerufenen, Rückgängen ihres natürlichen Lebensraums bedroht. Wie dem entgegengewirkt werden kann, hat ein Forscherteam der Universität Hamburg untersucht und die Ergebnisse nun im „Journal of Applied Ecology“ veröffentlicht.

WWWW vom 15.8.2016: Riesengleiter und Roboter auf dem Mars

Wie man IL-6 auf dem rechten Weg behält

Das Protein Interleukin-6 (IL-6) kann in Zellen verschiedene Funktionen übernehmen, je nachdem wie es Zellen aktiviert. Regt es Zellen über den klassischen Signalweg an, hilft es bei der Regeneration von Gewebe und ist unentbehrlich bei der Bekämpfung von bakteriellen Infektionen. Aktiviert es Zellen jedoch über den sogenannten „trans-Signalweg“, fördert es Entzündungen. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) haben jetzt im Journal of Biological Chemistry gezeigt, dass menschliche Immunzellen einen eingebauten Schutzmechanismus besitzen, der ihre Aktivierung über den trans-Signalweg verhindert.
Originalpublikation:
Janina Wolf, Georg H. Waetzig, Athena Chalaris, Torsten M. Reinheimer, Henning Wege, Stefan Rose-John; Christoph Garbers: Different soluble forms of the interleukin-6 family signal transducer gp130 fine-tune the blockade of interleukin-6 trans-signaling; The Journal of Biological Chemistry, doi: 10.1074/jbc.M116.718551
http://www.jbc.org/content/early/2016/05/23/jbc.M116.718551.abstract

Wir und der Riesengleiter

Riesengleiter
Der Riesengleiter – auch bekannt als Pelzflatterer oder Colugo – führt ein verstecktes Dasein im Kronendach des südostasiatischen Regenwaldes. Einst hielten Forscher das Tier für einen neuen Vertreter der Primaten, doch nun steht fest: Der Pelzflatterer bildet eine eigene, den Affen und Halbaffen nächstverwandte Gruppe. Ein Team von Wissenschaftlern mit Beteiligung der Universität Münster lieferte dafür jetzt den ersten eindeutigen Beweis. Die Erkenntnisse, publiziert in „Science Advances“, haben Auswirkungen auf alle Fragen der Primatenentstehung und damit auch unserer eigenen – der menschlichen – Herkunft.

Unsicherheiten bei Golfstromszenarien kommen durch Modelle

Eine der zentralen Fragestellungen bei der Untersuchung der Auswirkungen der globalen Erwärmung ist die mögliche Veränderung von Meeresströmungen im Atlantik, insbesondere der Golfstromzirkulation. Auch wenn viele Studien eine Abschwächung in den nächsten 100 Jahren vorhersagen, sind die Unsicherheiten immer noch groß. Wie eine jetzt in der internationalen Fachzeitschrift Climate Dynamics veröffentlichte Studie unter Führung des GEOMAR Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung Kiel zeigt, liegt dies primär an Modelldefiziten und weniger an der Unkenntnis der zukünftigen Treibhausgasemissionen.
Originalarbeit:
Reintges, A., T. Martin, M. Latif and N. S. Keenlyside, 2016: Uncertainty in 21st Century Projections of the Atlantic Meridional Overturning Circulation in CMIP3 and CMIP5 models. Climate Dynamics,http://dx.doi.org/10.1007/s00382-016-3180-x

Kindheitserinnerungen spielen Rolle beim Burnout

Wie kommt es zum Burnout? Zu viel Arbeit und wenig Freizeit bei geringer Wertschätzung der Leistung werden häufig als Gründe genannt. Nun bringt ein Team von Ärzten und Psychologen unter Federführung von Univ.-Prof. Dr. Wolfgang Söllner, Chefarzt der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität/Klinikum Nürnberg, einen weiteren Aspekt ins Spiel: Menschen, die in ihrer Kindheit keine sichere Bindung erlebt oder Verluste erlitten und nicht verarbeitet haben.
W. Söllner et al.
Repräsentation früher Bindungsbeziehungen und Emotionsregulation bei Patienten mit Burnout-Syndrom
PPmP•Psychotherapie•Psychosomatik•Medizinische Psychologie 2016; 66 (6); S. 227 – 234

Wie Roboter auf dem Mars Probleme lösen

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Greifen, heben, schrauben – Roboter sollen an menschenfeindlichen Orten wie dem Weltraum selbstständig knifflige Aufgaben lösen. Damit ihnen das gelingt, haben das Robotics Innovation Center des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz (DFKI) und die Arbeitsgruppe Robotik an der Universität Bremen Methoden zur ein- und zweiarmigen Manipulation entwickelt sowie eine Lernplattform, die es Maschinen ermöglicht, Verhaltensweisen des Menschen nachzuahmen.

Weitere Informationen unter http://dfki.de/robotik/de/forschung/projekte/besman.html

Thomas Wanhoffs Podcast mit Wissenschaftsnachrichten